Keine Autobahn durch die Leinemasch

Die Leinemasch ist besetzt. Das Baumhausdorf Tümpel Town im Rodungsgebiet wächst; Leinemasch BLEIBT informiert an der nahegelegenen Mahnwache. Denn der beschlossene Ausbau des Südschnellwegs in Hannover darf nicht stattfinden. Er torpediert die Verkehrswende, killt Klimaziele und verstößt gegen das Recht junger Menschen und der Menschen im globalen Süden auf Erhalt und Schutz ihrer Lebensgrundlagen.

4. Oktober. Die Besetzung steht. Foto: Andreas Ohrdorf

30. November: Presseinfo – Einladung für Samstag: Lass uns feiern und trauern! ++ 29. November: Tümpeltown wird nicht geräumt / gerodet – Erneut Gespräch mit Minister Lies ++ 17. November: Runder Tisch Südschnellweg – Absage als Offer Brief an Minister Lies ++ 10. Oktober: Nach der Wahl – Alle Zeichen auf Verkehrswende!? Einladung zu Aktionstrainings ++ 4. Oktober: Die Leinemasch ist besetzt! Fast 800 Menschen sind bei der öffentlichen Pressekonferenz dabei / zur Bildergalerie ++ … wo ist die Mahnwache?

Standort der Mahnwache. Die MaWa ist eine dauerhaft angemeldete Versammlung nach Versammlungsrecht. Der Zugang darf nicht durch Polizei oder Ordnungskräfte behindert oder verwehrt werden.

Aktueller Stand, 29. November 2022; einen Monat, 25 Tage nach geplantem Rodungsstart: Nachdem vieles darauf hingedeutete hatte, dass am ersten Dezemberwochenende eine Räumung des Baumhausdorfes bevorsteht, gab Olaf Lies, SPD, Nds. Verkehrsminister, am 28. November sein Wort, dass das Barrio bestehen bleibt und in der aktuellen Rodungssaison nur für die Behelfsbrücke gerodet werde. Damit wird die Tunnellösung durchgezogen, die Frage nach Verbreiterung des Schnellwegs soll in einem Gespräch in Berlin mit dem Bundesverkehrsministerium diskutiert werden; noch vor Weihnachten.

Eigentlich sollte es laut Bauplanung schon Anfang Oktober losgehen (Flächen siehe Rodungskarte weiter unten): Der Südschnellweg soll Standstreifen bekommen und deshalb zehn Meter breiten werden.

Im Koalitionsvertrag von SPD und Grünen ist festgehalten, dass es zum Südschnellweg noch einmal Gespräche mit dem Bundesverkehrsministerium geben soll; die Landesstraßenbaubehörde solle verändert werden. Vor der Wahl in Niedersachsen hatten die Grünen sowie Olaf Lies (Umweltminister, zuvor und jetzt wieder Verkehrsminister in Nds., SPD) einen Rodungsstopp gefordert, Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) lehnte das ab.

Was beschlossen ist:

  • massive Rodungen in der Leinemasch auf insgesamt etwa 16 Fußballfeldern Größe
  • Großbaustelle mit enormen Erdbewegungen zur Erhöhung (1,50 Meter) und Verbreiterung (mehr als zehn Meter) der Dämme; neue Baustraßen und -flächen in der Masch
  • offizielle Dauer bis August 2030. Wegen Krieg, Energie-, Wirtschafts-, Versorgungskettenkrise, Pandemien länger
  • in diesen rund zehn+ Jahren keine Nutzung der Kiesteiche zur Naherholung  
  • in diesen rund zehn+ Jahren einspurige Verkehrsführung in beide Richtungen, Verschlechterung von Sicherheit und Verkehrsfluss
  • ab 2032+: Stadt und Region quasi klimaneutral (Ziel: 2035); Land und Bund mit Ziel massiver Emissionsreduktionen im Verkehr. Nur möglich bei drastischer Reduktion des LKW- und PKW-Verkehrs -> die Notwendigkeit von Standstreifen ist nach keiner Norm oder Logik mehr gegeben.

-> Das Vorhaben bringt nicht mal Autofahrer*innen Vorteile, ist vollkommen gegen die Zeichen der Zeit gerichtet – und die Kosten explodieren bereits während der Ausschreibung.

❗ Über die Verbandsklage gegen den Ausbau hat das Oberverwaltungsgericht Lüneburg noch nicht entschieden. Denkbar ist, dass durch die Rodung die Leinemasch zerstört würde, bevor das Gericht oder ein neu ausgerichtetes Wirtschafts-/ Verkehrsministerium in Niedersachsen entscheidet, dass ein Ausbau nicht stattfindet.


Wir stellen uns nicht gegen die reine Sanierung oder die Tunnellösug an der Hildesheimer Straße. Wir stellen uns gegen den Ausbau der Strecke. Der Planung liegen überholte Verkehrskonzepte und autozentrierte Normen zugrunde. Ein Ausbau verstößt offensichtlich gegen Artikel 20a GG, der zum Erhalt von Lebensgrundlagen für künftige Generationen verpflichtet, und gegen das „Klimaurteil“ des Bundesverfassungsgerichts vom April 21.

Wir fordern einen Stopp der Ausbau-Pläne, bis alle Klimaziele konkret und verbindlich in die Vorgaben fürs Straßenbauen eingearbeitet sind und eine unabhängige Prüfung auf Klimaziele-Kompatibilität stattgefunden hat. Mindestens Aussetzen der Planung, bis eine neue Landesregierung arbeitsfähig ist und Verantwortung übernimmt.


Wir stellen auf dieser Seite Infos, Termine und Pläne zusammen, um den Protest groß zu machen. Neun Monate lang haben wir sonntags – während der Rodungssaison jeden Sonntag – Spaziergänge durchs Rodungsgebiet in der Leinemasch #AlsWärsDasLetzteMal angeboten. Digital gibt’s den Spaziergang hier.

Ab sofort achtet für Termine bitte auf Ankündigungen auf Telegram, Insta, Twitter oder hier im Blog

☎️ TAG X Alarm Phone: Wenn ihr in der Leinemasch Anzeichen bevorstehender Rodungen bemerkt, gebt Bescheid: 0157 35536254. Und tragt euch für den SMS-Rodungsalarm ein (rechte Spalte).


Die komplette Rodungskarte (in hoher Auflösung, png, 16 MB) legt die Flächen, die laut Planfeststellungsbeschluss gerodet werden müssten, über das Luftbild des Gebiets; blau: Fahrbahnerweiterung, rot: Baustraßen und Baustelleneinrichtungsflächen.



Planfeststellungsverfahren studieren? Auf dieser externen Seite sind alle Unterlagen zusammengestellt. Das Gruseligste aus dem Planfeststellungsverfahren unter Best of: Planfeststellung

Rückblick

++ 13. April: Wir starten #AlsWärsDasLetzteMal und veröffentlichen die Bau-Ausschreibung
++ 4. März: Klimagerechtigkeitsbewegung Hannover: Unser Protest geht weiter! 
++ Menschenkette mit FFF am 6. Februar + Presseinfo 3.2. Danke – mit Fotos 6.2.

Oktober 2022: Willkommen an unserer Mahnwache

Am 4. Oktober 2022 wäre der Tag gewesen, an dem die Rodungssaison laut Plan in der Leinemasch in Hannovers Süden begonnen hätte. Stattdessen wurde ein Festival des Widerstands daraus: von der Besetzung über die 800-Menschen starke Demo bis zur großen bunten Mahnwache mit Suppe für alle.

Die Leinemasch ist besetzt! Das ist die zentrale Botschaft an diesem Tag. Durchaus erwartet nach der „Probebesetzung“ von Ende Gelände Ende Juli – aber nun eben echt. Mehrere Bäume neben dem Südschnellweg sind nun bewohnt und damit nicht mehr „mal eben“ zu fällen.
Die Aktivist*innen sind entschlossen, ihren Protest auch auf längere Zeit auszudehnen. „Dabei bleiben wir friedlich, aber Ziviler Ungehorsam heißt eben auch, dass wir nicht freiwillig aufgeben werden.“

Auf der Pressekonferenz an der Mahnwache (Döhrener Maschpark, direkt am Bezirkssportgelände Döhren) nutzten Helene Grenzebach vom Bündnis gegen den Ausbau des Südschnellwegs, Tabea Dammann als Sprecherin für Fridays for Future Hannover und Julia Förster von Leinemasch BLEIBT die Gelegenheit, ihre Solidarität mit den Aktivist*innen von Ende Gelände zu erklären und breite Unterstützung zuzusagen.

Mehr zum 4. Oktober in der Pressemitteilung oder in der Bildergalerie

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